Bewegende Theateraufführung im Salmen

Anlässlich des 85. Jahrestags der Deportation nach Gurs war ich zu einer Theateraufführung in den Salmen eingeladen.
Nach einer aufrüttelnden Rede von Carmen Lötsch, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt Offenburg, brillierte die Junge Theaterakademie unter der Leitung von Dr. Paul Barone einmal mehr mit dem Stück „Wir sind ganz junge Bäumchen“. Es erinnert an das Schicksal der mehr als 6500 deportierten Juden und Jüdinnen aus Baden, dem Saargebiet und der Pfalz. 

An dem länderübergreifenden Schultheaterprojekt wirkten Dutzende Schüler*innen aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Frankreich mit.
Der Titel der Eigenproduktion ist nach einem wunderbaren Lied von Alfred Cahn und Leopold Rauch benannt, die es 1941 im Lager für den Kinderchor schrieben.
In dem bewegenden und ausdrucksvoll gespielten Stück wurde immer wieder auf die in Gurs entstandene Musik und Kunst Bezug genommen, die ein beeindruckendes Zeugnis der ungebrochenen Schaffenskraft der deportierten Menschen ablegen. 

Kann uns das die Hoffnung schenken, dass das wahrhaft Menschliche sich auch unter zutiefst entwürdigenden Bedingungen behaupten kann, wie die Junge Theaterakademie im Programmheft schreibt? Vermutlich ja.

Allerdings hat Kultur auch hochgebildete Menschen im 3. Reich leider nicht von den fürchterlichsten Verbrechen abhalten können. Unter den Tätern in den Lagern und KZs waren viele Musik- und Kunstliebhaber, wie auch eine mitwirkende Jugendliche in der im Anschluss stattfindenden Podiumsdiskussion mit Nanette Wolf, der Großnichte einer nach Gurs deportierten Jüdin, betonte.

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