20.000 gehen in Rente: Ortenau muss alle Arbeitskräftepotenziale nutzen

Maren Seifert MdL mit Theresia Denzer-Urschel (Vorsitzende der Geschäftsführung Agentur für Arbeit Offenburg).

Pressemitteilung

Offenburg. Rund 20.000 Menschen, also etwa 10 Prozent der Berufstätigen, werden in den kommenden Jahren in der Ortenau in den Ruhestand gehen. Der regionale Arbeitsmarkt steht damit vor einem tiefgreifenden Wandel. Wie die Region ihren Fachkräftebedarf decken und gleichzeitig mehr Menschen in Ausbildung und Beschäftigung bringen kann, war Thema eines Austauschs der Offenburger Landtagsabgeordneten Maren Seifert (Grüne) mit Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg.

Die Ausgangslage ist auf den ersten Blick vergleichsweise stabil: Die Arbeitslosenquote im Ortenaukreis liegt aktuell bei 4,1 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte unter dem baden-württembergischen Durchschnitt. Auf 100 offene Ausbildungsstellen kommen rund 60 Bewerbende. Die gute Arbeitsmarktlage darf aber nicht über die unterschiedlichen Entwicklungen für einzelne Gruppen hinwegtäuschen. Denn nicht alle profitieren gleichermaßen. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent gestiegen, bei Langzeitarbeitslosen um fast 17 Prozent und bei schwerbehinderten Menschen um fast 23 Prozent. Zudem finden besonders ältere Arbeitslose schwieriger eine neue Stelle und bilden mit mittlerweile rund 40 Prozent den größten Anteil in der Ortenau.

„Die Ortenau hat weiterhin einen stabilen Arbeitsmarkt. Aber wir dürfen nicht nur auf die Arbeitslosenquote schauen. Entscheidend ist, ob es uns gelingt, Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen tatsächlich in Beschäftigung zu bringen und gleichzeitig genügend Fachkräfte für unsere Unternehmen zu gewinnen“, sagt Denzer-Urschel.

Besonders die Entwicklung bei Jugendlichen bereitet der Agentur für Arbeit Sorgen. Neben fachlichen Voraussetzungen fehle es teilweise an überfachlichen Kompetenzen wie Dialog- und Demokratiefähigkeit oder Resilienz. Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, den aktuellen Krisen und der Rückkehr des Krieges nach Europa haben laut der Agentur bei vielen jungen Menschen Spuren hinterlassen.

Denzer-Urschel verwies in diesem Zusammenhang auf das deutsch-französische Format „Allez-Hop zum Job“. Dabei kommen Bewerbende und Arbeitgebende beispielsweise bei gemeinsamen sportlichen Aktivitäten unkompliziert miteinander in Kontakt. Seifert sieht darin einen interessanten Ansatz: „Gerade wenn klassische Bewerbungsverfahren Hürden aufbauen, können niedrigschwellige Begegnungen Türen öffnen. Wir können es uns nicht leisten, junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens zu verlieren. Dafür müssen wir auch neue Wege ausprobieren und diese entstehen manchmal eben auch erst beim Gehen.“

Neben Jugendlichen müsse der Blick aber auf alle Gruppen gerichtet werden, deren Potenzial für den Arbeitsmarkt bisher nicht ausreichend realisiert werde. Die Agentur für Arbeit verfügt unter anderem über ein gut ausgestattetes Reha-Budget, mit dem die berufliche Ersteingliederung und weitere Angebote für Menschen mit Behinderungen unterstützt werden. Daneben bleibt auch die Qualifizierung von Menschen ohne Berufsabschluss eine zentrale Herausforderung. Mit einem Anteil von 36 Prozent hat die Ortenau landesweit einen besonders hohen Anteil an ungelernten Arbeitnehmenden.

„Wenn in den kommenden Jahren 20.000 Menschen in der Ortenau in Rente gehen, wird es umso wichtiger, die unterschiedlichen Potenziale auf unserem Arbeitsmarkt so gut es geht zu nutzen“, betont Seifert. „Die Ortenau ist wirtschaftlich stark. Jetzt kommt es darauf an, diese Stärke durch den Wandel zu bringen – mit guten Ausbildungsangeboten, gezielter Qualifizierung, erfolgreicher Einwanderung von Fachkräften, fairem Zugang zu Bildung und einer Arbeitswelt, die so gestaltet ist, dass möglichst viele Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können.“

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