Seifert nach Besuch beim Polizeirevier Offenburg: „Entscheidend ist, was am Ende auf der Straße ankommt“

stv. Revierleiter des Polizeireviers Offenburg Stephan Krämer und Maren Seifert MdL.

Pressemitteilung

Wie kann die Polizei vor Ort handlungsfähig bleiben, wenn Einsatzzahlen steigen und Personal knapp ist? Darüber hat die Offenburger Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses, Maren Seifert (Grüne), bei ihrem Besuch im Polizeirevier Offenburg mit dem stellvertretenden Revierleiter Stephan Krämer gesprochen. Themen waren unter anderem die personelle Situation, der Schichtdienst, Nachwuchsgewinnung und die Weiterentwicklung des Bedrohungsmanagements.

„Entscheidend ist, dass am Ende mehr Polizist*innen dort eingesetzt werden können, wo sie gebraucht werden: auf der Straße, bei Ermittlungen und im direkten Kontakt mit den Menschen“, sagt Seifert. Im Koalitionsvertrag sind deshalb 1.000 zusätzliche Stellen im Nichtvollzug vereinbart. Verwaltungsfachleute, IT-Spezialist*innen und andere Fachkräfte sollen Polizeivollzugsbeamt*innen von Aufgaben entlasten, die keine klassische Polizeiarbeit erfordern.

„Die 1.000 zusätzlichen Stellen für den Nichtvollzug sind ein wichtiger Teil unserer Polizeistrategie. Eine IT-Fachkraft oder eine Verwaltungsexpert*in kann zwar keinen Streifenwagen besetzen. Sie kann aber dafür sorgen, dass eine Polizeibeamtin oder ein Polizeibeamter weniger Zeit am Schreibtisch verbringt und mehr Zeit für die eigentliche Polizeiarbeit hat“, so Seifert.

Aus dem Gespräch in Offenburg wurde deutlich, wie wichtig diese Entlastung ist. Unter Einsatzbelastung wird auch hier das Personal knapper. Umso wichtiger ist es, den Polizeiberuf attraktiv zu halten und Nachwuchskräfte langfristig zu gewinnen und zu binden. Gute Arbeitsbedingungen, familienfreundliche Modelle und verlässliche Entwicklungsmöglichkeiten spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war der Umgang mit Hochrisikofällen häuslicher Gewalt. Nach dem Offenburger Femizid müsse das Bedrohungsmanagement weiterentwickelt und stärker mit psychologischer Expertise verbunden werden. Die Polizei hat eine große Anzahl an Personen im Fokus. Bei Hochrisikofällen dürfe von Polizist*innen nicht erwartet werden, dass sie neben ihrer polizeilichen Ausbildung auch psychologische Risikoeinschätzungen allein leisten. „Wir brauchen klare, wissenschaftlich fundierte Verfahren und fachliche Unterstützung“, betont Seifert.

Dies könnte zum Beispiel neben zusätzlicher psychologischer Expertise auch GaTe-RAI sein – ein in Baden-Württemberg entwickeltes und erprobtes Instrument zur Gefährdungsanalyse bei Tötungsdelikten in Partnerschaft und Familie. Seifert spricht sich dafür aus, die Erkenntnisse aus dem abgeschlossenen Forschungsprojekt nun konsequent in die polizeiliche Praxis zu übertragen und den Einsatz solcher wissenschaftlich fundierten Instrumente weiterzuentwickeln. „Bei Hochrisikofällen darf die Qualität der Gefährdungseinschätzung nicht vom Zufall abhängen“, sagt Seifert.

Auch die räumlichen Bedingungen im historischen Polizeirevier und die seit Jahren diskutierte Schaffung eines gemeinsamen Polizei- und Justizzentrums in Offenburg war Thema des Gesprächs. In dem geplanten Neubau sollen unter anderem Amtsgericht, Landgericht, Staatsanwaltschaft und das Polizeirevier Offenburg unter einem Dach zusammengeführt werden. Damit könnten nicht nur Wege verkürzt und die Zusammenarbeit verbessert werden. Vor allem würde eine zeitgemäße und sichere Unterbringung der derzeit teilweise stark sanierungsbedürftigen Einrichtungen ermöglicht.

„Die Zustände in einigen der bestehenden Gebäude sind auf Dauer nicht tragbar. Deshalb muss die Schaffung des Polizei- und Justizzentrums aus meiner Sicht ganz oben auf die Prioritätenliste und ich werde mich dafür einsetzen, dass dieses bereits lang diskutierte Projekt weiterverfolgt und nun konkret vorangebracht wird“, sagt Seifert.

Als stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses will Seifert die Erfahrungen aus dem Gespräch in die parlamentarische Arbeit einbringen. „Eine starke Polizei zeigt sich nicht auf dem Papier, sondern dort, wo Menschen sie brauchen. Dafür müssen wir unsere Kräfte klug einsetzen, den Polizeiberuf attraktiv halten und unsere Beamt*innen bei ihrer täglichen Arbeit bestmöglich unterstützen“, so Seifert.

Hinweis: Am Donnerstag, 24. September 2026, veranstaltet das Polizeipräsidium Offenburg von 17 bis 21 Uhr die „Nacht der Bewerber“ in der Prinz-Eugen-Straße 78. Interessierte können sich dort über Ausbildung, Bachelorstudium und Einstiegsmöglichkeiten bei der Polizei informieren. 

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