Besuch beim Institut für deutsche Sprache Offenburg: Maren Seifert fordert verlässliche Finanzierung für Integrations- und Deutschkurse

Maren Seifert MdL zusammen mit ID-Leiterin Anne Stolle vor dem IDS Offenburg.

Pressemitteilung

15.07.2026., Offenburg. Die Offenburger Landtagsabgeordnete Maren Seifert (Grüne) hat das Institut für deutsche Sprache (IDS) Offenburg, eine Einrichtung der Volkshochschule Offenburg e.V., besucht und sich mit der Leiterin Anne Stolle über die aktuelle Situation der Sprach- und Integrationskurse ausgetauscht. Das IDS ist der größte Kursträger für Deutsch als Fremdsprache im Ortenaukreis.

Während ihres Besuchs erhielt Seifert Einblicke in einen Zweitschriftlernerkurs. Dort lernen Menschen, die zuvor ein anderes Schriftsystem als das lateinische Alphabet verwendet haben, zunächst Lesen und Schreiben in lateinischer Schrift. Anschließend werden sie im Kurs schrittweise bis zum Sprachniveau B1 geführt. Viele von ihnen streben danach das Niveau B2 an, das für zahlreiche Ausbildungsberufe erforderlich ist. Seifert konnte sich im Gespräch mit den Teilnehmenden von ihrer hohen Motivation und Lernbereitschaft überzeugen.

„Wer in Deutschland eine qualifizierte Arbeit aufnehmen, eine Ausbildung machen und dauerhaft beruflich Fuß fassen möchte, braucht gute Sprachkenntnisse. Hier zeigt sich jeden Tag, mit wie viel Motivation die Teilnehmenden lernen. Es ist unsere Aufgabe, ihnen dafür verlässliche Rahmenbedingungen zu bieten“, erklärte die Landtagsabgeordnete.

Im Gespräch mit Stolle standen vor allem die Folgen der jüngsten Kürzungen bei den Integrationskursen im Mittelpunkt. Seit dem Frühjahr ist die Zahl der Kursteilnehmenden am IDS um circa ein Drittel zurückgegangen. Grund hierfür ist, dass der Zugang zum Integrationskurs durch das Bundesministerium des Inneren (BMI) stark eingeschränkt wurde. Alle Personengruppen, die bislang einen Antrag auf freiwillige Teilnahme am Integrationskurs stellen konnten, erhalten nun hierfür keine Berechtigung mehr vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Betroffen von dieser Einschränkung sind Geflüchtete aus der Ukraine, EU-Bürger*innen, Asylbewerber*innen und Geduldete nach §44 Abs. 4 Aufenthaltsgesetz. Problematisch sei auch, dass die Änderung rückwirkend zum Dezember 2025 erfolgte, aber erst am 09. Februar 2026 kommuniziert wurde, sodass die Kursträger sowie zahlreiche Interessierte für die Teilnahme an einem Integrationskurs zwei Monate lang auf eine Entscheidung warten mussten. Diese und weitere kurzfristige Änderungen von Finanzierungszusagen des Bundes erschweren die Arbeit des IDS Offenburg erheblich.

„Das IDS Offenburg hat in den letzten Jahren auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Herausforderungen sehr flexibel reagiert und insbesondere seit März 2022 – auch auf Wunsch der Politik – die Kurse und Strukturen stark ausgebaut, um dem an uns gestellten Bildungs- und Integrationsauftrag bestmöglich nachzukommen. Kurzfristige, insbesondere rückwirkende Entscheidungen des BAMF bzw. des BMI konterkarieren diese Bemühungen und schaden zunächst der Integration vieler engagierter Personen, die sich hier ein Leben aufbauen und Teil unserer Gesellschaft werden möchten, letztlich aber auch dem Arbeitsmarkt, der branchenübergreifend dringend Arbeitskräfte mit guten Deutschkenntnissen benötigt,“ erläutert Stolle.

„Wer Integration ernst meint, darf Sprachkurse nicht zum Spielball kurzfristiger Sparmaßnahmen machen. Kurzfristige Änderungen bei der Finanzierung schaffen Unsicherheit, für die Teilnehmenden ebenso wie für die Träger. Das ist weder fair noch nachhaltig“, ergänzt Seifert.

Die Kürzungen treffen nicht nur die Kursteilnehmenden, sondern auch die Träger. Rund 120 Lehrkräfte am IDS arbeiten auf Honorarbasis und verlieren mit jedem ausfallenden Kurs Unterrichtsstunden. Gleichzeitig fehlt den Einrichtungen die notwendige Planungssicherheit. Zwar gibt es die Zusage, dass zum 1. Juni 2026 wieder EU-Bürger*innen sowie Geflüchtete aus der Ukraine für Integrationskurse zugelassen werden, die praktische Umsetzung steht jedoch weiterhin aus.

Positiv hob Seifert die vom Land Baden-Württemberg und dem Ortenaukreis finanzierten Intensivsprachkurse für Auszubildende mit Einwanderungsgeschichte nach der VwV Deutsch hervor. „Wer in Sprachförderung investiert, investiert in Fachkräfte und in gelungene Integration. Solche Programme zeigen, wie erfolgreiche Integrationspolitik aussehen kann.“

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