Femizid in Offenburg – „Nicht eine mehr!““

In Offenburg gab es kürzlich einen Femizid. Fast jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Diese Zahlen zeigen: Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall und keine Privatsache. Sie ist ein strukturelles Problem und eine Frage der inneren Sicherheit.

Zwei von drei Frauen erleben sexuelle Belästigung, jede dritte Frau ist in ihrem Leben von körperlicher oder sexualisierter Gewalt betroffen. Und frauenfeindliche Straftaten steigen in den letzten Jahren konstant an.
Ich sage das ganz persönlich als Frau: Diese Zahlen machen Angst. Der Satz „Wähle deinen Partner weise“ bekommt als Frau eine ganz andere Bedeutung, denn im Extremfall kann diese Wahl über Leben und Tod entscheiden.

Deswegen gehört der Schutz von Frauen vor Gewalt ins Zentrum unserer Sicherheitspolitik.

Mit dem Landesaktionsplan zur Umsetzung der Istanbul-Konvention hat Baden-Württemberg bereits einen wichtigen Schritt gemacht, darunter der Ausbau von Schutzangeboten, bessere Beratung, Prävention und eine verfahrensunabhängige Spurensicherung. Und mit dem neuen Gewalthilfegesetz auf Bundesebene wurde erstmals ein Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung geschaffen.
Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

Der Fall in Offenburg zeigt, dass wir Warnsignale frühzeitig ernst nehmen müssen. Wenn Täter ihre Gewalt ankündigen, Betroffene verfolgen oder bedrohen, sprechen Fachleute von „Leaking“. Genau solche Risikofaktoren müssen systematisch erkannt und bewertet werden.
Deshalb brauchen wir den flächendeckenden Einsatz moderner Risikoanalyse-Instrumente, um Betroffene besser schützen zu können. Genauso wichtig ist, dass die neu beschlossene elektronische Fußfessel jetzt konsequent umgesetzt wird.

Außerdem benötigen wir verlässlich finanzierte Frauenhäuser und Beratungsstellen, eine noch größere Sensibilisierung von Polizei und Justiz und umfangreiche Täterarbeit. Das bedeutet gewaltausübende Männer frühzeitig in spezialisierte Programme einzubinden, um Gewaltspiralen zu durchbrechen und Rückfälle zu verhindern. Prävention heißt vor allem auch bei den Tätern anzusetzen, bevor weitere Opfer entstehen.
Das ist für mich echte Sicherheitspolitik: Wir schaffen Strukturen, die Gewalt verhindern.

Denn keine Frau sollte Angst haben müssen, ihr Leben zu verlieren, weil ein Mann glaubt, über sie bestimmen zu dürfen. Jeder Femizid ist einer zu viel.

Mein tiefstes Mitgefühl und aufrichtiges Beileid für die Hinterbliebenen von Kateryna.

Du hast selber schon Gewalt erfahren oder warst kurz davor?

Kostenlose und anonyme Hilfe findest du beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen:
www.hilfetelefon.de, Tel: 116 016.

Du bist selber schon gewalttätig geworden oder warst kurz davor?

Kostenlose und anonyme Hilfe findest du bei der Hotline gegen Gewalt:
www.euline.eu, Tel.: 01805 439258, E-Mail: Kontakt@euline.eu
oder direkt vor Ort bei der sozialen Rechtspflege in Offenburg (Tel.: 0781 7492) oder Lahr (Tel.: 07821 37992), offenburg@rechtspflege-ortenau.de.

Artikel kommentieren

Artikel kommentieren