Agri-PV-Anlage auf dem Beerenhof Mild in Dundenheim verbindet Obstbau und Energiegewinnung
Pressemitteilung
Kann ein Solardach nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Obstbäume und Beerensträucher durch heiße und trockene Sommer bringen? Dieser Frage gingen die Offenburger Grünen-Landtagsabgeordnete Maren Seifert und ihr fachlich zuständiger Kollege Kai Keune bei einem Besuch auf dem Beerenhof Mild in Dundenheim nach. Auf dem Betrieb von David Mild wachsen Äpfel unter einer Agri-Photovoltaikanlage, während darüber Solarstrom erzeugt und ins Netz eingespeist wird.
Mild ist dabei Pionier, denn die Anlage hat er in den vergangenen beiden Jahren weitgehend selbst ohne Installateure aufgebaut. Seit April 2026 ist sie am Netz, seit Juli wird der erzeugte Strom über einen langfristigen Liefervertrag an dm verkauft. Der Weg dorthin war lang: Auf die Netzanfrage im November 2023 folgte der Bauantrag im Februar 2024, die privilegierte Baugenehmigung wurde im August erteilt. Materialbeschaffung, Erdarbeiten, Montage, Trafoaufbau und Zertifizierung zogen sich bis zum Netzanschluss im Frühjahr 2026 hin. Die Unterkonstruktion und die Module wurden Schritt für Schritt montiert – unterbrochen von Erdbeer-, Kirsch-, Johannisbeer- und Apfelernte. Ohne handwerkliches Geschick, Lagerflächen, Durchhaltevermögen und umfangreiche Eigenleistung wäre das Projekt finanziell kaum zu realisieren gewesen, waren sich die Anwesenden einig. Neben Familie und Freunden, die regelmäßig halfen, arbeite sogar Bürgermeister Tobias Uhrich einmal beim Montieren der Anlage mit. Die Gemeinde unterstützte zudem kurzfristig mit der Verpachtung eines kleinen Teils einer Wiese für die Übergabeschutzstation, nachdem bürokratische Vorgaben eine Planänderung beim Anschluss notwendig gemacht hatten.
Mild schilderte den Abgeordneten vor allem den erheblichen Abstimmungsaufwand mit Landratsamt und Netzbetreiber. Für Kai Keune, Sprecher für GreenTech der Grünen-Landtagsfraktion, ist das eine politische Aufgabe: „Wir müssen dafür sorgen, dass mehr landwirtschaftliche Betriebe diesen Weg gehen können.“ Verständliche Handreichungen, klare Richtlinien und gegebenenfalls gesetzliche Änderungen seien nötig, damit interessierte Höfe nicht an langwierigen Genehmigungs- und Anschlussverfahren scheiterten. Dazu wollen Keune und Seifert nun in einem Abgeordnetenbrief ans Umwelt- und Energieministerium zum Bürokratieabbau anregen und verwaltungstechnische Abläufe beschleunigen. Seifert geht es dabei vor allem um die Schonung von Flächen: „Diese sind endlich und wir benötigen sie dringend für die Sicherung der Ernährungssouveränität. Wir müssen daher weg von reine Freiflächen- und hin zur Agri-Photovoltaik.“
Schatten gegen Hitze
Der Besuch fällt in einen Sommer, der die Landwirtschaft in der Ortenau vor enorme Herausforderungen stellt. Hitze mit bis zu 40 Grad. Unter den Solarmodulen dagegen ist es bei 26 Grad Ende August noch merklich kühler. Die Solar-Verschattung kann die Pflanzen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung schützen und die Verdunstung verringern. Ob dadurch tatsächlich weniger Wasser benötigt wird, lässt sich für den Betrieb derzeit noch nicht abschließend sagen. Mild betont jedoch, dass die Anlage ein angenehmeres Klima für Pflanzen, Tiere und Menschen schaffe. Er prüft zudem den Einsatz von Tropfbewässerung, um Wasser gezielter an die Pflanzen zu bringen und die Fahrgassen nicht unnötig zu vernässen. Erste Beobachtungen sprechen aus Sicht des Betriebs für die Kombination von Obstbau und Photovoltaik unter neuen Wachstumsbedingungen. Mild berichtet von größeren und dunkler gefärbten Blättern unter den Modulen und der Befall mit Baumkrebs habe sich deutlich verbessert. Zugleich gebe es neue Fragen, etwa zum Wasserbedarf in den Pflanzreihen und zu Veränderungen bei Insekten. Einen starken Anstieg beobachtet Mild beispielsweise bei der Blutlaus. Außerdem konnte der Einsatz von Fungiziden gegen Pilzbefall reduziert werden. Für belastbare Aussagen ist es allerdings noch zu früh. Zudem hängt die Wirkung stark von der Konstruktion, der Ausrichtung, dem Abstand zu den Pflanzen und der jeweiligen Kultur ab. Was Äpfeln oder Beeren zugutekommt, muss nicht automatisch auf andere Obstsorten oder den Ackerbau übertragbar sein. Doch der Termineinladung folgten auch Landwirte, die Agri-PV-Anlagen für ihre Viehhaltung erwägen. Mit dabei war außerdem Anna Reiners von Circular Black Forest. Das Netzwerk beschäftigt sich mit Ansätzen für eine ressourcenschonende und zirkuläre Wirtschaft in der Region.
Erkenntnisse in den Landtag einbringen
Für die Abgeordneten weisen die bisherigen Erkenntnisse aus Dundenheim in die Zukunft: Der Betrieb zeigt, wie Klimaschutz und Anpassung an die Folgen des Klimawandels zusammen gedacht werden können. Die Abgeordneten wollen die Erfahrungen aus Dundenheim deshalb in die weitere Arbeit der Landtagsfraktion einbringen. Denn wenn Agri-PV in Baden-Württemberg häufiger zum Einsatz kommen soll, müssen nicht nur die technischen Lösungen stimmen. Auch Genehmigung, Netzanschluss und Finanzierung müssen für landwirtschaftliche Betriebe machbar werden. Der Beerenhof Mild zeigt: Die doppelte Bodenrendite ist möglich – bislang aber vor allem für diejenigen, die bereit sind, sich durch ein langes und bürokratisches Verfahren zu kämpfen.
Artikel kommentieren
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.